Autorenlesung in der Mediathek

Nikolaus Nützel -  Autor für Jugendsachbücher- las und erzählte vor Neuntklässlern. 

Zur ersten Autorenlesung in diesem Schuljahr hatte die Stadtbücherei in Kooperation mit dem Mediathek-Team des RNG Nikolaus Nützel, Sachbuchautor für Jugendbücher, eingeladen. Er stellte sein jüngstes Buch „Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg“ (ersch. 2013) vor, ein Sachbuch, das sich mit dem Ersten Weltkrieg, seinen Ursachen, seinen erschreckenden Ausmaßen und auch seinen politischen und persönlichen Folgen für die heutige Enkelgeneration auseinandersetzt. Dabei las und erzählte Nikolaus Nützel abwechselnd und abwechslungsreich, anknüpfend an die eigene Familiengeschichte, über Ereignisse, die zeitlich nahezu hundert Jahre zurück liegen. Und er stellte immer wieder auch Fragen wie: „Was geht uns das heute noch an?“ – „Geht uns das heute überhaupt noch etwas an?“ Fragen, die  heutige Jugendliche interessieren oder betroffen machen, da Kriege generell bzw. der Erste Weltkrieg im speziellen Fall -  nicht nur das Leben der betroffenen Generation der Kriegsteilnehmer und ihrer Familien veränderten, sondern auch ihre Schatten auf die nächste und übernächste Generation werfen. Aus der Geschichte zu lernen heißt sie genau anzuschauen. Das wollte Nikolaus Nützel seinen Zuhörern klarmachen. 


Sein Buch liefert eine Menge Wissenswertes zu den Ereignissen des Ersten Weltkrieges, es bietet aber nicht nur Fakten, sondern versucht gesellschaftliche Zusammenhänge und Ursachen zu erklären. Und immer wieder ist da die Verbindung zur eigenen Familie, zum Großvater, den er persönlich nicht mehr gekannt hat, der ihm dennoch aus Erzählungen der Eltern präsent ist. Die Einstellung seiner Familie zum Krieg und zu den gesellschaftlichen Zuständen nach dem Ersten Weltkrieg legt Nikolaus Nützel schonungslos offen. „Was macht der Krieg mit Menschen?“, war unter anderem auch seine Frage. Wenn man Kriege so betrachtet, dass sie von Menschen gemacht wurden und werden, dann wird schnell klar, dass uns das heute ebenso betrifft und angeht, auch wenn die Kriege der Gegenwart scheinbar weit weg von uns geführt werden. 
Nikolaus Nützels Bücher wurden mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. So wurde u.a. sein Buch „Sprache oder was den Mensch zum Menschen macht“ für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.                                               (E. Grandl-Arnoldi)

Stimmen zur Lesung

Was mich überrascht hat?

  • dass der Autor so viele eigene und private Geschichten von seinem Opa für das  Buch verwendet hat und nicht nur eine Geschichte erfunden hat 
  • Herr Nützel hat sehr offen über sich und seine Familie geredet; dass er einen Granatenaufsatz dabei hatte 
  • dass die Soldaten einfach irgendwelche Waffenteile als Andenken mitnahmen und  dass der Tag, an dem der Opa von Herrn Nützel das Bein verlor, von der Familie  gefeiert wurde, weil er so nicht mehr in den Krieg ziehen musste 
  • dass es immer noch Nationalsozialisten gibt und dass viele auch nach dem 2. Weltkrieg offen zugegeben haben, dass sie Nazis waren (z.B. H. Nützels Oma) 
  • dass offen über Nationalsozialismus in der Familie gesprochen wurde 
  • dass so viele junge und gelehrte Menschen fanatisch in den Krieg gezogen sind 
  • dass H. Nützel gar nicht so viel vorgelesen, sondern viel erzählt hat;  dass er ein  Buch über seinen Opa geschrieben hat, obwohl er ihn gar nicht persönlich kannte 
  • dass man die Soldaten alkoholisiert auf das Schlachtfeld geschickt hat, damit sie  nicht durchdrehen bei den ganzen Toten, und mit mehr Elan kämpfen 
  • dass sich die Soldaten bekifften, zugesoffen haben oder die ganze Zeit geraucht  haben und sogar Leichen nach diesen Drogen absuchten 

Was ich schon gewusst hatte? 
  • dass der Mord am Thronfolger Österreichs in Sarajevo der Auslöser für den 1. Weltkrieg war 
  • dass es immer noch Blindgänger in Afrika usw. gibt  
  • dass viele in den Krieg gezogen sind, um ein „Held“ zu sein und einen „Heldentod“  zu sterben 

Was ich neu erfahren habe? 
  • dass die Frankfurter Buchmesse eine der größten Buchmessen ist und es dort jährlich etwa 120.000 neue Bücher gibt 
  • dass die Zeit von 1914-1945 auch der zweite 30-jährige Krieg genannt wird 
  • dass die Türkei und Deutschland Waffenbrüder waren 
  • dass Italien die Fronten gewechselt hat 
  • dass während des 1. Weltkrieges 13 Mio. deutsche Soldaten und in Verdun 500.000 Menschen gestorben sind 

Was mir nicht gefallen hat? 
  • Das Buch ist nicht die Art von Buch, die ich gerne lese; das Thema hat mich nicht  sehr interessiert. 
  • Persönlich fand ich den Vortrag etwas zu lang. 

Was mir gefallen hat? 
  • dass uns Herr Nützel mit direkten Fragen einbezogen und versucht hat, mit netter  und zuvorkommender Art aufzutreten 
  • dass H. Nützel den Vortrag interssant und witzig gestaltet hat und nicht nur einseitig und ernst von dem Thema erzählt hat 
  • dass er das Publikum durch Fragen mit in die Lesung einbezogen hat 

                                                                                      (Auswahl Sara Gibson)